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Weithin erhebt sich der mächtige Gebirgsstock des Hochkönigs mit seinen ausgedehnten Gletscher- und Firnfeldern, der sogenannten „Übergossenen Alm". Der Sage nach lagen in dieser, heute vom ewigen Eis bedeckten Fläche, einst saftige Wiesen, wo das Gras kniehoch wuchs und Rinderherden im üppigen Grün weideten. Die Sennerinnen kamen kaum nach, die reichlich sprudelnde Milch zu verarbeiten. Die Käse- und Butterberge waren bald so hoch, dass man gar nicht alles essen konnte. Die Sennerinnen lebten vom Verkauf ihrer köstlichen Produkte und es floss soviel Geld in ihre Taschen, dass sie bald übermütig und ausgelassen wurden: Die Glocken, die am Hals ihrer Kühe bimmelten, mussten von reinem Silber sein, und die Hörner der Stiere glänzten von reinstem Gold überzogen in der Sonne. Die Sennerinnen schmausten und prassten im Überfluss, tranken statt Wasser zerlassene Butter und ließen den besten Wein fässerweise aus dem Salzburger Stiftskeller bringen. Zu ihren Gelagen luden sie lustige Jägerburschen ein, tanzten und sangen die ganze Nacht. Früher waren sie fromm gewesen, doch jetzt dachten sie nicht mehr an Gott oder ihr Seelenheil. Mit Gottes Gaben gingen sie um, als wären sie nicht dazu da, den Menschen Nahrung und Kraft zu spenden: Die übermütigen Damen wünschten sich eine zartere Haut und badeten in der Milch, die sie dann achtlos fort schütteten. Die Wege zwischen ihren Hütten pflasterten sie mit runden Käselaiben, die Fugen dazwischen dichteten sie mit frischer Butter, damit, wie sie sagten „der Teufel etwas zu fressen habe, wenn er mit seinen Gesellen bei Nacht herankomme". Als aber einmal ein Wanderer auf die Alm kam, der sich vor Müdigkeit kaum noch bewegen konnte und um etwas zu Essen und Obdach bat, da jagten sie ihn mit harten Worten davon: „Der Teufel soll dir Obdach geben, wir brauchen keinen ungebetenen Gast." Als der Wanderer nicht imstande war, rasch genug weiterzuziehen, gerieten sie in Zorn und drohten ihm mit Schlägen. Das Maß ihrer Übeltaten war nun voll; die gerechte Strafe sollte die Schändlichen treffen. Kaum hatte sich der Wanderer entfernt, da wälzte sich furchtbares Unwetter heran. Ein grässlicher Sturm erhob sich und schleuderte aus tiefschwarzen Wolken eine wirbelnde Flut von Eis und Schnee auf die zu Tode erschrockenen Frevlerinnen herab. Sie versuchten zu flüchten, aber vergebens. Der Schneesturm begrub sie mit Hütten und Viehherden, und über den grünenden Almen lag nunmehr ewiges Eis: die „Übergossene Alm".
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